Anna Margret Janovivcz – ein Rückblick auf ihr Lebensende

bearbeitet von Hans-Neithardt Hansch zuletzt verändert: 21.10.2018 19:52

Das Dorf Berge, sein Museum und sein Heimatverein sind für Anna Margret Janovivcz zu einer besonderen Gedenkstätte für ihren verehrten Großvater Gerhard Lucas Meyer geworden.

Zur Feier ihres 98. Geburtstages  im Mai 2015 hatten wir der großzügigen Förderin und Stifterin angeboten, das große Familienfest in Berge auszurichten. Sie hat gerne zugestimmt. Denn das Dorf Berge, sein Museum und sein Heimatverein waren ihr im hohen Alter zu einer besonderen Gedenkstätte für ihren verehrten Großvater Gerhard Lucas Meyer geworden. Die Krönung ihrer Spurensuche nach dem Ursprung der Familie erlebte sie mit dem Aufbau des MeyerHauses, das mit den Themen „Heuerleute und Hollandgänger“ die frühe Familiengeschichte dokumentiert. Die Hälfte der Gesamtkosten hat sie mit ihrer Familie aufgebracht. Der Dank dafür wird in Berge immer wach bleiben. 

Zu ihren Geburtstagsfeiern hat sie immer einen großen Kreis von Verwandten, Freundinnen und Freunden, sowie den Mitgliedern der Gerhard-Lucas-Meyer-Stiftung um sich gesammelt. Nach Berge kamen 80 Gäste, die zu einem fröhlichen Begrüßungsabend im Heimathaus willkommen geheißen wurden. Auf dem weiteren Programm standen der Besuch im Museum, der Gang zum Doppel-Steinzeitgrab in Hekese, die Kaffeemahlzeit auf dem Meyerhof zu Menslage, der Urzelle der Meyer-Vorfahren, und die große Geburtstagsfeier im Romantik-Hotel Aselage.  Zum denkwürdigen Abschluss wurde der Festgottesdienst am Sonntagmorgen in der Lutherkirche mit dem Gesang des Kirchenchores und der Predigt für Familie und Gemeinde von ihrem befreundeten Seelsorger.

Danach wollte die alte Dame, die schon 2 Jahre im Philipp-Spitta –Heim in Peine lebte,  unbedingt noch einmal ihr Landhaus am Wolfgangsee wiedersehen. Trotz eingeschränkter Gesundheit wurde sie dorthin gebracht, doch sie konnte nicht ihr Krankenbett verlassen, war totunglücklich und wollte nur noch sterben. Sie blieb in dieser Zeit nicht ohne seelsorgerliche Betreuung. Nach ihrer Rückkehr ins Peiner Heim  fand sie wieder Ruhe, freute sich über Besuche und konnte mit ihrem Erinnerungsvermögen geradezu glänzen. Sie gab noch zwei Bücher heraus, in denen sie ihre Biografie und ihre Reisen rund um die Welt ernst und heiter beschrieb. In Hoffnung und Geduld lebte sie auf ihren 100. Geburtstag hin.

Zu diesem Ereignis hatte sie ihre Groß-Familie am 5./6. Mai 2018 nach Peine eingeladen und viele waren ihr zu  Ehren gekommen. Sie hatte sich einen Dankgottesdienst in der Jakobi-Kirche gewünscht. Die Festgemeinde aus Stadt und Land erhob sich, als sie im Rollstuhl in das Gotteshaus gefahren wurde. Gemeindepfarrer und Stiftspastor hielten einen mit Orgelmusik und Streichquartett reichen musikalischen und inhaltlich von ihrem Konfirmationsspruch ausgehenden Gottesdienst, der vom Glauben und Dank für ein reiches Leben geprägt war. Aus Berge brachten wir ihr ein großes Plakat mit, auf dem Ihr Bild und die Worte zu sehen waren: „Anna Margret 100 Jahre – Gott sei Dank“.

Am Abend des folgenden Tages – am 187. Geburtstag Ihres Großvaters Gerhard Lucas – hielt sie vor dem Festkonzert im Peiner Forum ihre letzte Rede, die mit großem Beifall bedacht wurde. In der Zeit danach wurde es still um sie. Am 23. Oktober schloss sie für immer die Augen. Am 30. Oktober fand die Trauerfeier für die Ehrenbürgerin in der Jakobi-Kirche zu Peine statt mit Dankbarkeit und Hoffnung auf das ewige Leben. Beim anschließenden Beisammensein haben wir die Anteilnahme aus Berge überbracht und den Dank für das Kulturgut MeyerHaus.

Ihren letzten Gang begleitete ihr Seelsorger aus Berge nach der gottesdienstlichen Handlung aus der Kapelle des Waldfriedhofs in München zum dortigen Familiengrab, wo auch ihre Mutter, die Schauspielerin Anna Glenk, zu Grabe getragen wurde. Dort wurde, als kurz die Sonne durch die Wolken schien, ihre wohlgestaltete Urne mit Gebet und Segen in die Erde gesenkt.

Noch einmal sollte sich eine Trauergemeinde versammeln, das hatten wir ihr versprochen: In St. Wolfgang, wo sie über 50 Jahre lang zu Hause war, kamen am Sonntag Morgen des 7. Januar 2018 in der kleinen evangelischen Friedenskirche  ihre Verwandten, Freundinnen, Gemeindeglieder, Nachbarn, Bürger und Bürgermeister zusammen, um von ihr,  der Trägerin des Ehrenzeichens der Marktgemeinde und treuen Kirchgängerin, Abschied zu nehmen.

Mit Dank und Freude wurde in der Ansprache auch an ihren „Musenkuss vom Wolfgangsee“, an die bronzene Büste von Gerhard Lucas und die 150 Liebesbriefe gedacht und ihr Lieblings-lied: „Die güldne Sonne“ gesungen. Als letzten Gruß sang ihr Maria-Elisabeth Hansch den Schlusschoral aus der Johannespassion von J.S. Bach „Ach, Herr, lass dein lieb Engelein…“
Sie wird vielen aus Berge unvergessen bleiben.

Das Bild von der Verleihung des St. Wolfganger Ehrenzeichens haben wir für das Museum mitnehmen dürfen.

Hans-Neithardt Hansch.AD 2018

 
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