Kleinbahn-Alltag

„Bei uns in Berge gibt es eine Kleinbahn. Die Menschen in Berge nennen sie „Pingelanton“. Gestern verweilte ich ein Stündchen auf dem „Pingel-Bahnhof“. Kaum war ich fünf Minuten dort, da hörte ich den „Anton“ schon flöten. Er machte einige Windungen durch die Gärten, und schon stand er auf dem Bahnhof.

Die Pingellokomotive musste Wasser haben. Der Zugführer gab ihr zu trinken. Reisende stiegen ein und aus. Eine Frau hatte einen sehr schweren Koffer. Sie konnte ihn kaum tragen. Ich half ihr. Zwei Männer holten ihre Fahrräder aus dem Gepäckwagen und fuhren davon. Der Briefträger kam mit dem Postwagen und packte die Postsachen ein. Als alles fertig war, rief der Schaffner: „Fertig!“ Ein schriller Pfiff, und der Zug setzte sich langsam in Bewegung. Noch im letzten Augenblick kam ein Mädchen hastig herbeigeeilt. Es gelang ihr noch, in den Zug hineinzukommen, denn unser „Pingelanton“ ist ganz gemütlich. Lange sah man noch den Dampf der Lokomotive; aber allmählich verschwand er in den Tannen von Lindlage.“

Wilhelm Nordsieke, 12 Jahre alt,
aus „Heimat aus Kindermund“, 1950